Donnerstag, 4. Oktober 2007

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Donnerstag, 14. April 2005

Glukosaminsulfat hält Verlust von Gelenkknorpel auf

Glukosaminsulfat hält Verlust von Gelenkknorpel auf
Studie mit über 200 Arthrose-Patienten bestätigt Effekt


BERLIN (agr) "Weil es bis heute keine kausale pharmakologische Arthrosetherapie gibt, können wir die Krankheit derzeit bestenfalls verlangsamen, aber nicht stoppen". Daran erinnerte Professor Wolfgang Noack von der Orthopädischen Klinik Spandau auf dem Orthopädenkongreß in Berlin. Neue Hoffnung auf Knorpelerhaltung gibt jetzt Glukosaminsulfat.

Erste Ergebnisse einer Studie lassen darauf schließen, daß das altbewährte Glucosaminsulfat (Dona® 200-S Dragees), ein Derivat des Proteoglykanstoffwechsels, den Knorpelverlust offenbar bremst. Noack hat nun in Berlin auf eine weitere Studie hingewiesen, welche diese Ergebnisse nicht nur bestätigt, sondern erweitert. Die 202 Patienten mit Gonarthrose erhielten drei Jahre lang einmal täglich oral 1500 mg Glucosaminsulfat (GS) oder Placebo. Bei der GS-Gruppe konnte der Verlust des Gelenkknorpels aufgehalten werden. In der Placebogruppe nahm die Gelenkspaltverengung insgesamt um 0,2 mm zu, was auf eine zunehmende Degeneration des Knorpels bei dieser Gruppe hinweist. Die Veränderung der Gelenkspaltbreite wurde durch standardisierte Röntgenbilder ermittelt.

Durch GS werde aber nicht nur der Knorpelverlust gebremst, sondern auch der Schmerz reduziert und die allgemeinen Gelenkfunktion gebessert, so Noack. Als Gründe hierfür gab er an, daß die Substanz einerseits die Synthese des Proteoglykans fördere und andererseits die knorpelabbauenden proteolytischen Enzyme und Zytokine hemme. "Doch den Patienten interessiert nicht nur, daß er schmerzfrei ist und sich besser bewegen kann, sondern auch, daß sein Medikament weiter wirkt, wenn er es eine Weile nicht nimmt," so der Wissenschaftler. Er zitierte eine französische Studie, die den therapeutischen Nutzen des Glucosaminsulfates auch nach Therapieende bestätigt. Die Untersuchung mit 329 Arthrosepatienten hat ergeben, daß der Wirkstoff nicht nur während der dreimonatigen Behandlungszeit wirkte, sondern die Patienten auch in der zweimonatigen, behandlungsfreien Zeit weniger Beschwerden hatten als unter Placebo.

Glucosaminsulfat eignet sich demnach offensichtlich auch für eine längerfristige Behandlung bei Arthrose. Trotz der positiven Datenlage ist jedoch weiterhin unstrittig, daß auch Glucosamin keine kausale Behandlung bei Knorpelverlust bieten kann. Hier hofft man, wie der Münchner Orthopäde und Sportmediziner Professor Wolfgang Pförringer sagte, weiterhin auf bahnbrechende Ergebnisse aus der Genforschung.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2002/01/09/003a1202.asp?cat=/medizin/gelenke_knochen

Orales Glucosamin bremst die Gonarthrose

Orales Glucosamin bremst die Gonarthrose

Die Gelenkspaltweite am Knie blieb in der Verumgruppe einer dreijährigen Studie mit 212 Patienten unverändert

LÜTTICH (frk). Die Progression einer symptomatischen Arthrose am Knie kann durch die konsequente tägliche Einnahme von oralem Glucos-aminsulfat verhindert werden.

Das ist das Resultat einer dreijährigen randomisierten placebokontrollierte Studie von Professor Jean-Yves Reginster und seinen Kollegen aus Lüttich in Belgien mit 212 Patienten. Wie im "Lancet" (357, 2001, 251) berichtet, hatten die ambulanten Patienten in der Studie eine primäre Gonarthrose.

Sie erhielten täglich 1500 mg Glucosaminsulfat oder Placebo. Gemessen wurde das Fortschreiten der Erkrankung durch Messung der Gelenkspalte in einem speziell vergrößerten Röntgenbild. Die Symptome wurden mit dem WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities Arthrose)-Index beurteilt. In dem Score werden Schmerz, Beweglichkeit und Schwellung beurteilt.

Die Resultate: die mit Glucosaminsulfat behandelten Patienten hatten während drei Jahren keinen weiteren Knorpelverlust. Der Gelenkspalt hatte sich bei ihnen nicht weiter verengt. Bei den Patienten, die Placebo erhielten, nahm die Gelenkspaltweite um durchschnittlich 0,31 Millimeter ab.

Wie die Forscher anmerken, verengt sich der Gelenkspalt üblicherweise durch Knorpelverlust bei Gonarthrose im Schnitt um 0,1 bis 0,6 Millimeter pro Jahr. Die Verschlechterung in der Placebogruppe entsprach damit dem natürlichen Verlauf einer Gonarthrose.

In der klinischen Bewertung des Behandlungsergebnisse nach dem WOMAC-Score kam es in der Verumgruppe sogar zu einer Besserung der Funktionsparameter von im Schnitt 20 bis 25 Prozent.

In der Placebogruppe hatten sich die Werte im Score im Durchschnitt verschlechtert. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen waren signifikant (p=0,02).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen waren bei den Patienten in der Verumgruppe nicht häufiger als in der Placebogruppe. Auswirkungen auf den Gastrointestinaltrakt gab es keine.

Die Wissenschaftler folgern aus ihrer Unterscuhung, daß orales Glucosaminsulfat in der Lage ist, als Therapie über einen längeren Zeitraum den natürlichen Verlauf einer arthrotischen Erkrankung zu stoppen.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2001/02/15/029a0401.asp?cat=/medizin/gelenke_knochen/arthrose

Donnerstag, 3. März 2005

Russische Weltraumtechnologie gegen Nackenschmerzen

Nachrichten aus australischer und neuseeländischer
Wissenschaft und Forschung
präsentiert vom Australisch-Neuseeländischen Hochschulverbund/Institut Ranke-Heinemann
Erfahrungsberichte vom Studium in Australien - Besuchen Sie die Webseite der Australian Academic Alumni Association!
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Russische Weltraumtechnologie gegen Nackenschmerzen
Australien Macquarie University Australien Macquarie University

Ein Wissenschaftlerteam der australischen Macquarie University hat zur Bekämpfung von chronischen Nackenschmerzen mit viel versprechenden Ergebnissen eine Technologie getestet, die ursprünglich für das russische Weltraumprogramm entwickelt wurde. Der Electrode Neuroadaptive Regulator (ENAR) war anfänglich eingesetzt worden, um verletzte Kosmonauten, die bis zu drei Monate im Weltraum verbrachten, behandeln zu können.

Andrew Vitiello, der bereits maßgeblich an der Entwicklung des weltweit rückenfreundlichsten Rucksacks beteiligt war, hat ENAR in den letzten zwölf Monaten erfolgreich getestet. "Es gab bereits verschiedene Einzelberichte, dass dieses Gerät bei einer Reihe von Krankheiten und Behinderungen Abhilfe schaffen könnte", so der Doktorand der Chiropraktik.

Für die Pilotstudie wählten Vitiello und seine Betreuer Associate Professor Rod Bonello and Dr Henry Pollard ein Leiden das weit verbreitet aber schwer zu behandeln ist - chronische Nackenschmerzen. Vierundzwanzig Probanden, die über drei Monate keinerlei Therapie erhalten hatten, wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine Therapie namens Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS), eine zweite Gruppe wurde mit ENAR behandelt und eine Kontrollgruppe erhielt ohne ihr Wissen eine Scheinbehandlung.

Die Ergebnisse zeigten, dass Personen die eine TENS Therapie erhalten hatten, sich in keinem besseren Zustand befanden als Personen, die gar keine Therapie erhalten hatten. Im Gegensatz dazu war bei den Probanden, die die ENAR Therapie erhalten hatten, festzustellen, dass nicht nur ihr Schmerzgrad deutlich zurückgegangen war, sondern ihre Funktionswerte und ihre Lebensqualität sich deutlich verbessert hatten.

ENAR arbeitet mit positiven und negativen Elektroden. Das Gerät, das in etwa die Größe eines Mobiltelefons hat, wird angeschaltet und an den schmerzenden Stellen angewendet. "Wir verfolgten die Entwicklung der Testteilnehmer über einen sechswöchigen Zeitraum und nahmen Daten zu Schmerzintensität, Funktionsfähigkeit, allgemeiner Lebensqualität und Beeinträchtigungen am Hals auf", erläutert Vitiello.

"Die bisher gewonnenen Erkenntnisse sind enorm wichtig, beweisen sie doch, dass das Gerät in der Bekämpfung von Schmerzen sehr effektiv ist. Aus klinischer Sicht kann eine Rehabilitation deutlich schneller eingeleitet werden, sobald vorhandene Schmerzen gelindert werden."

In nächsten Schritten, möchte das ENAR Team nun den Anwendungsbereich der Behandlung weiter ausbauen.

Weitere Informationen in englischer Sprache:
Andrew Vitiello
Tel.: +61-438-677327
Kathy Vozella, media contact
Tel.: +61-2-98507456, Email: kathy.vozella@mq.edu.au

Freitag, 25. Februar 2005

"Initiative Stark gegen den Schmerz"

Ärzte Zeitung, 25.02.2005
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Bald gibt es neue Daten zu Arthrose in Deutschland
"Initiative Stark gegen den Schmerz" untersucht Prävalenz von Osteoarthrose und die Versorgung der Patienten

HERNE (iss). In Herne ist in dieser Woche eine groß angelegte epidemiologische Studie zur Osteoarthrose angelaufen. Ärzte der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation des Herner Marienhospitals wollen gemeinsam mit der "Initiative Stark gegen den Schmerz" herausfinden, wie stark Arthrose in Deutschland verbreitet ist, wie die Patienten versorgt werden und wie sehr ihr Alltagsleben durch die Erkrankung beeinträchtigt wird.

"Es ist der erste Versuch einer repräsentativen Untersuchung in Deutschland", so Oberarzt Dr. Ulrich Thiem vom Marienhospital, ein Klinikum der Ruhruniversität Bochum. "Arthrose ist eine relativ häufige Erkrankung, die aber weder in der Bevölkerung noch in der Ärzteschaft die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient", sagte Thiem im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".
Arthrose ist die häufigste Schmerzursache
Ursachen für chronische Schmerzen in Europa
Ursachen
Häufigkeit
Ursachen
Häufigkeit
Arthrose
34 %
Schädigung der Wirbelsäule
6 %
Bandscheibenvorfall
15 %
Nervenschädigung
4 %
Traumata
12 %
Knorpelschädigung
4 %
rheumatoide Arthritis
8 %
Schleudertrauma
4 %
Migräne/Kopfschmerzen
7 %
Operation
3 %
Quelle: Studie „Pain in Europe“, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Osteoarthrose, gefolgt von Bandscheibenvorfall, Traumata, rheumatoider Arthritis und Kopfschmerzen sind häufige Ursachen von chronischen Schmerzen.

Die Untersuchung ist Teil des neuen Schwerpunkts Versorgungsforschung der Bochumer Universität. In die "Herner Arthrose-Studie" (HER-AS) werden 8000 deutschsprachige Einwohner der Stadt Herne einbezogen, die älter als 40 Jahre alt sind. Sie erhalten einen Fragebogen mit mehr als 60 Fragen zum Thema Schmerzen. Dabei geht es vor allem um Schmerzen bei Bewegungen. "Eine zentrale Frage ist für uns, welche Alltagsrelevanz das Phänomen Schmerz für die Menschen hat", sagte der Arzt.

Am vergangenen Samstag haben die Initiatoren der Studie die Bevölkerung mit einer großen Auftaktveranstaltung im Beisein der Schauspielerin Senta Berger über die Aktion informiert. Berger ist Schirmherrin der "Initiative Stark gegen den Schmerz". Die niedergelassenen Ärzte der Ruhrgebietsstadt sind bereits über die Untersuchung informiert worden. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen. "Das Thema ist für die Ärzte praxisrelevant", sagt Thiem.

Er rechnet nach den Erfahrungen aus einer Befragung zum Thema Prostata und der umfangreichen Information über die Aktion mit einer Rücklaufquote von 50 Prozent der Fragebögen. Alle Teilnehmer, die unter Knie- oder Hüftgelenksbeschwerden leiden, werden zu einer Untersuchung eingeladen, nach Schätzung von Thiem sind es etwa 1500. Die Untersuchungen werden voraussichtlich bis Herbst 2006 laufen. Erste Ergebnisse aus der Fragebogen-Erhebung sollen Mitte diesen Jahres vorliegen.

Schon jetzt melden sich Betroffene, die an der Untersuchung teilnehmen wollen, berichtet Thiem. Sie erhalten ebenfalls den Fragebogen - er wird separat ausgewertet, die Ergebnisse werden dann mit denen der Stichprobenerhebung verglichen.

Er hofft, daß die Studie außer Daten zur Prävalenz der Erkrankung vor allem Informationen darüber liefert, zu welchen Problemen die Arthrose im Alltag der Patienten führt, in welchem Umfang sie zur gesellschaftlichen Isolation von Älteren beiträgt oder sie von notwendigen Arztbesuchen abhält. "Es geht um alltagsrelevante Probleme, die die Ärzte oft gar nicht wahrnehmen können."

Wenn es gelingt, ein Risikoprofil für Arthrosepatienten zu erstellen, könnte man Maßnahmen entwickeln, um rechtzeitig gegenzusteuern, sagt Thiem. Möglich sei etwa ein Gelenk-Check für über 80jährige. "Es geht uns nicht darum, die mangelnde Versorgungslage anzuprangern, sondern um gezielte Angebote für die Praxis, mit denen die Situation verbessert werden kann."

Weitere Informationen zur Untersuchung gibt es bei der HER-AS-Hotline unter Telefon 0 23 23 / 4 99 59 12.

Quelle:
http://www2.aerztezeitung.de/docs/2005/02/25/035a1201.asp?cat=/medizin/gelenke_knochen

Donnerstag, 17. Februar 2005

Versinkt Deutschland am 1. April im Schmerz ?

Versinkt Deutschland am 1. April im Schmerz?

17.02.2005 - 14:00 Uhr

Berlin (ots) - Treten im April die neuen Leistungsverzeichnisse
für gesetzlich Versicherte unverändert in Kraft, wird eine
sachgerechte Schmerztherapie und Palliativmedizin für Kassenpatienten
nicht mehr verfügbar sein. "Die Kassen fordern zwar eine Versorgung
auf höchstem Niveau, sind aber nicht bereit, diese zu finanzieren",
kritisiert Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident de Deutschen
Gesellschaft für Schmerztherapie bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Darum fordern die Schmerzfachgesellschaften und
Patientenorganisationen entsprechende Korrekturen, damit
Schmerztherapeuten die schwerkranken Patienten mit der notwendigen
Qualität versorgen können.

In Deutschland leiden etwa 15 Millionen Menschen an chronischen
Schmerzen, etwa zwei Millionen haben schwer behandelbare
"problematische" Schmerzzustände. Ihr Schmerz gilt als eigenständige
Krankheit. Diese Patientinnen und Patienten benötigen eine Therapie
in spezialisierten Einrichtungen.

Die gute Nachricht: Zum ersten Mal wird in einer Vereinbarung von
Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung festgehalten,
dass es in Deutschland Patienten mit chronischen Schmerzen gibt, die
eine hochspezialisierte Diagnostik und Therapie benötigen. Ebenso
werden in dieser Qualitätssicherungsvereinbarung die Voraussetzungen
und Qualifikationen definiert, die ein Arzt haben muss, um solche
Patienten behandeln zu dürfen. Dies bedeutet: Ärzte, die diese
Qualifikationen nicht besitzen, können diese schwerkranken Patienten
schmerztherapeutisch nicht versorgen.

Die schlechte Nachricht: Diese Versorgung ist aufgrund der
konkreten Umsetzung und Verknüpfung der Vereinbarung mit neuen
Leistungsverzeichnissen für gesetzlich versicherte Patienten jedoch
keineswegs gesichert. Schlimmer noch: Die Versorgungssituation wird
sich ab April, wenn diese Regelungen in Kraft treten, dramatisch
verschlechtern. Schon heute sind Schmerzpatienten in Deutschland
unterversorgt. Müller-Schwefe: "Es fehlen qualifizierte Einrichtungen
für eine flächendeckende Versorgung. Nötig wären etwa 2000
Einrichtungen, vorhanden sind aber nur etwa 450. Wenn die neuen
Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten (EBM) in Kraft treten,
können Schmerztherapeuten aufgrund der Regularien die Patienten nicht
mehr mit der nötigen Qualität versorgen.


Erforderliche Leistungen fehlen.

So wurden beispielsweise zahlreiche Leistungen, die nach dem
Stande der Wissenschaft Bestandteil einer qualifizierten Behandlung
sind, nicht in den EBM aufgenommen. Die Kassen waren nicht bereit,
diese notwendigen Therapien zu bezahlen. Darüber hinaus wird die
Behandlungsdauer auf zwei Jahre begrenzt. Tritt nach sechs Monaten
keine Veränderung ein, soll der Spezialist einen Psychiater oder
Psychotherapeuten einschalten. Zahlreiche ärztliche Leistungen wurden
zu Komplexen gebündelt und sollen pauschal honoriert werden, wobei
die Vergütung gleichzeitig reduziert wurde. "Diese deckt nicht mehr
den Aufwand, den wir in unseren spezialisierten Einrichtungen
betreiben müssen", sagt Müller-Schwefe. Die Vergütung deckt weder
Material- und Personalkosten für die Qualitätssicherung und
Dokumentation, noch aufwändige personelle und technische Ausstattung
der Praxen oder gar die eigentliche Betreuung der Patienten und vor
allem die langen Gespräche. Darum dürften sich viele Ärzte aus der
Versorgung zurückziehen, da sie unter diesen Bedingungen keine
qualifizierte Schmerztherapie mehr erbringen können.


Weiter sinkender Versorgungsgrad.

"Damit wird der ohnehin mit etwa 20 Prozent schon heute extrem
geringe Versorgungsgrad weiter sinken", klagt der Schmerztherapeut.
Unter den Bedingungen der neuen Leistungsverzeichnisse wird es darum
für Kassenpatienten keine qualifizierte Schmerztherapie mehr geben,
sondern allenfalls eine Sparversion. "Dies katapultiert die
Schmerzmedizin zurück zu ihren Anfängen in den achtziger Jahren",
erklärt Müller-Schwefe. Darum fordern die Schmerzgesellschaften die
Ergänzung der Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten sowie die
Anpassung der Vergütung, damit Schmerztherapeuten eine Versorgung mit
hoher Qualität erbringen können.


Stiefkind Palliativmedizin.

Nicht minder problematisch ist es um die Versorgung schwerkranker
Patienten am Lebensende bestellt. Dies ist die Domaine der
Palliativmedizin. Sie will nicht mehr heilen, sondern Schmerz und
andere Symptome lindern und den Menschen - möglichst zu Hause - ein
Leben in Würde bis zuletzt ermöglichen. Doch die Realität sieht
anders aus: 70 Prozent der Bürger sterben in Kliniken oder
Pflegeheimen, oft allein und unter Schmerzen. Dabei belegen Studien,
dass 75 Prozent der Menschen zu Hause sterben können, wenn
entsprechende palliativ- und schmerzmedizinische Versorgungssysteme
vorhanden sind.


Unnötiger Tumorschmerz.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland alleine 200000
Krebspatienten an Schmerzen, die nicht ausreichend gelindert werden,
obwohl dieses möglich wäre. Doch an dieser Situation wird sich kaum
etwas ändern: Nach dem neuen EBM darf die honorierte
palliativmedizinische Versorgung von Patienten mit schweren
Erkrankungen ausschließlich von Hausärzten erbracht werden. Diese
müssen allerdings weder eine palliativmedizinische Qualifikation
nachweisen noch wird eine entsprechende Dokumentation eingefordert.
"Dies alleine zeigt, dass die Palliativmedizin hier als Alibi ohne
inhaltliche Anforderungen abgehakt wurde, es also eine reine
Alibi-Entscheidung war", kritisiert der Schmerz- und
Palliativmediziner Dr. Thomas Nolte, Vizepräsident der Deutschen
Gesellschaft für Schmerztherapie.

Die etwa 1000 Ärzte, die sich der Defizite in der medizinischen
Versorgung und ihres eigenen Unwissens aufgrund der mangelhaften
Medizinerausbildung in der Palliativmedizin bewusst sind und darum
eine palliativmedizinische Basisqualifikation erlangt haben, oder
jene etwa 300 Mediziner, die für die Zusatzbezeichnung
Palliativmedizin qualifiziert sind, können zwar weiterhin
palliativmedizinische Leistungen auf hohem Niveau erbringen, es wird
nur nicht mehr bezahlt - es sei denn, es sie sind Hausärzte.
"Dadurch wird keine strukturelle Verbesserung der
palliativmedizinischen Versorgung erreicht", stellt Nolte fest.


Kein Kontrapunkt zum Ruf nach aktiver Sterbehilfe.

Durch diese Fehlsteuerung, fürchtet der Palliativmediziner, werde
der Zuspruch zur aktiven Sterbehilfe in der Bevölkerung, der zu Recht
in politischen Kreisen Sorge bereitet, kaum zu durchbrechen sein.
"Nur eine qualifizierte und interdisziplinäre palliativmedizinische
Versorgung kann anschaulich und nachvollziehbar machen, dass eine
aktive Sterbehilfe keine Option für das Lebensende darstellt." Darum
fordern die Spezialisten, dass palliativmedizinische Leistungen nur
von entsprechend qualifizierten Ärzten aller Fachrichtungen erbracht
werden dürfen, unabhängig von ihrer klinischen Fachrichtung, und dass
der Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung endlich an die
ständig steigenden Erfordernisse angepasst wird. Denn auch hier
bedeutet der neue EBM einen Rückschritt.


Die Defizite sind bei den Verantwortlichen bekannt.

Die Schmerzgesellschaften und Patientenorganisationen kennen die
Defizite und weisen seit Jahren darauf hin. "In den letzten Jahren
haben wir viele Gespräche mit den politisch Verantwortlichen geführt,
mit Ministerinnen und Ministern, Vertretern von Kassen und
Ärzteverbänden. Stets wurden von diesen Defizite eingeräumt und
Besserung versprochen", berichtet Dr. Marianne Koch, die Präsidentin
der Deutschen Schmerzliga e.V. Die Bundesregierung räume, so Koch,
beispielsweise in Ihrer Antwort vom 22. 12. 2003 auf eine Anfrage von
Bundestagsabgeordneten Defizite in der Versorgung von
Schmerzpatienten ein: "Die Versorgung von Patienten mit chronischen
Schmerzen ist in Deutschland nicht überall optimal." Es stünden zu
wenige spezialisierte Ärzte für die Behandlung chronisch
Schmerzkranker zur Verfügung.

Bereits am 11.10.2003 hatte der KBV-Vorsitzende Dr. Mafred
Richter-Reichhelm gesagt: "Schmerzkranke Patienten müssen ausreichend
versorgt werden und zwar flächendeckend in ganz Deutschland." Und
immer wieder versicherten Kassenvertreter, dass sie die Versorgung
von Schmerzpatienten verbessern wollen.


Aber nichts geschieht.

"Doch die aktuelle Entwicklung belegt, dass es sich bei den
Verlautbarungen eher um Lippenbekenntnisse gehandelt hat. Das ist
enttäuschend, erklärt die Internistin. "Wenn Ärzte sich aus der
Versorgung von Schmerzpatienten zurückziehen (müssen), haben die
Patienten noch größere Probleme als bislang, eine qualifizierte
Behandlung zu bekommen, obwohl sie darauf ein Anrecht haben."

Dass die Not hier schon heute groß ist, belegen nicht zuletzt die
über 20.000 Anfragen, die jährlich bei der Deutschen Schmerzliga
eingehen. Die Suche nach qualifizierten Ärzten führt seit Jahren
ungebrochen das Ranking der Fragen an. "Die Behandlungsdauer von
Schmerzpatienten bei Spezialisten wurde auf zwei Jahre begrenzt -
ohne dass klar ist, wie danach eine Versorgung dieser schwerkranken
Menschen sichergestellt werden soll", kritisiert Koch. Schließlich
haben diese im Schnitt eine zehnjährige "Patientenkarriere" mit
häufig wechselnden Arztkonsultationen hinter sich, ohne dass ihnen
geholfen wurde. Dies belegt eindrücklich, dass das Medizinsystem
bislang - vor allem aufgrund der Nicht-Ausbildung der Mediziner in
Sachen Schmerzmedizin - keine angemessene Versorgung der Patienten
sicherstellen und beispielsweise die Chronifizierung von
Schmerzzuständen in nennenswertem Umfang verhindern kann.


Schmerzpatienten werden diskriminiert.

"Niemand käme auf die Idee, die Behandlung eines Diabetikers bei
einem Diabetologen oder die Behandlung eines Herzkranken beim
Kardiologen auf zwei Jahre zu begrenzen. Wenn dies bei
Schmerzpatienten eingeführt werden soll, kann dieses nur als
Diskriminierung interpretiert werden", stellt Koch fest. Dass
Schmerztherapeuten verpflichtet werden, Patienten nach sechs Monaten
einem Psychiater vorzustellen, wenn sich keine Veränderung
abzeichnet, ist eine weitere Diskriminierung, rückt die Betroffenen
in die Ecke von Simulanten, schürt längst abgelegte Vorurteile und
missachtet damit sämtliche Erkenntnisse der Schmerzforschung.
Die Deutsche Schmerzliga fordert die politisch Verantwortlichen daher
dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und ihren Ankündigungen
Taten folgen zu lassen. "Wenn keine flächendeckende, bedarfsgerechte,
qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Versorgung zur Verfügung
steht, kommen die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen
ihrer Verpflichtung zur Sicherstellung der Versorgung nicht nach",
stellt Koch fest.



Pressekontakt:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.
ProScience Communications GmbH · Dipl. Biol. Barbara Ritzert
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking · Fon: 08157/9397-0 ·
Fax: 08157/9397-97 · info@proscience-com.de

Quelle:
http://www.presseportal.de/story.htx?nr=649089&firmaid=56965

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